Die Tefaf in Maastricht: Kunstmarkttrends und “Rising Stars”

Foto: Tefaf

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Eine der weltweit wichtigsten Messen für Kunst und Antiquitäten fand wieder vom 15.3. – 24.3. in Maastricht statt. Schon fast zur Tradition geworden, gab es zum Auftakt ein Symposium zu Thema: “Rising stars of the art world”.

Dr. Clare Mc Andrew, Arts Economics, The Tefaf Market Report 2013

Die Chinesen sind Marktführerhiess es noch beim Symposium der Tefaf von 2012. Wachsender Wohlstand und  Spekulationskäufe liessen die Preise für zeitgenössische, aber vor allem für chinesische Künstler in die Höhe schnellen.  Das Blatt hat sich jedoch  gewendet und die USA  belegen mit 33% Marktanteil vor China (25%) den ersten Platz. Die Ursachen liegen bei einem zu schnell aufgeblasenen Markt, dem weitestgehend die Basis eines (Galerien) Kunsthandels fehlt. Die meisten Verkäufe laufen über Auktionen, was wiederum zu Spekulationen verleitet. Die Fälschungsrate ist hoch und die Zahlungsmoral oft niedrig. Viele Künstler wurden „gehyped“ und verschwanden genauso schnell von der Bildfläche wie sie aufgetaucht sind.

Diese Entwicklung hat auch ihr Gutes: Der Trend geht wieder in Richtung etablierte Werte und der chinesische Markt stabilisiert sich. Die Chinesen kaufen vermehrt bereits bekannte Künstler und besinnen sich auf ihre Wurzeln mit Kunstgewerbe, Bronzearbeiten, Antiquitäten, Keramik oder Tuschmalereien, die im Reich der Mitte eine sehr lange Tradition haben.  Auch wenn langsam ausländische Kunst erworben wird, bleibt der chinesische Markt in erster Linie ein nationaler.

Brasilien ist das erste Mal im Fokus der Betrachtungen. Das Land mit rund 200 Millionen Einwohnern hatte 2012 einen Gesamtumsatz  von 455 Millionen Euro, das heisst 1% des Weltmarktanteils. Bemerkenswert ist dabei weniger die Galerienszene, der Kunsthandel setzt zwischen 25 000 und rund 350 000 Euro im Jahr um, als die Tatsache, dass die Dichte an sehr wohlhabenden Sammlern in Brasilien sehr hoch ist. Aber bis das Land wirklich für den internationalen  Kunstmarkt interessant ist, wird noch einige Zeit vergehen. Der Staat will in erster Linie die nationalen Künstler fördern und erhebt einen Steuersatz von 45% auf ausländische Kunstimporte. Das macht das Verkaufen in Galerien aber auch das Sammeln von ausländischen Künstlern sehr schwierig. In diesem an sich schon engen Markt, sind auch nur einige wenige inländische Künstler wirklich erfolgreich. Wenn jedoch brasilianische Künstler exportiert werden, finden sie eine gute Nachfrage im Ausland. Wir werden wohl nicht das letzte Mal von Brasilien gehört haben. Als Mitglied der Bric-Staaten  soll sich laut Clare Mc Andrew das Wachstum dieser Länder in den nächsten 5 Jahren verdreifachen.

Und international?

Die ökonomischen und politischen Unsicherheiten fördert die Investition in sichere Werte: es wird zunehmend konservativ, dass heisst Werke von etablierten Künstlern gekauft. Die zeitgenössische Kunst ist nach wie vor mit 43%  die erfolgreichste Sparte. Dennoch haben es nachfolgende junge Künstler immer schwerer, sich zu etablieren. Die klassische Moderne liegt mit 30% noch sehr gut im Rennen, was man auch auf dieser Messe beobachten konnte. Altmeister Gemälde unterliegen weniger Schwankungen und finden zunehmend auch bei jüngeren Sammlern steigendes Interesse, obwohl man bei dieser Sparte eine grössere Kennerschaft vorraussetzen muss. Allgemein findet das Hochpreissegment über 10 Millionen Euro einen relativ leichten Absatz. Aber auch da spitzt sich die Nachfrage auf einige wenige Künstler zu. Der Verkauf von Gemälden rangiert vor dem Verkauf von Kunstgewerbe.

Warum manche Künstler auf dem Markt präsent sind, und das weiterhin sein werden.

Thomas Galbraight, Director of global Strategy von artnet, ist der Ansicht, dass vor dem Kauf eines Kunstwerkes eine genaue Markanalyse des Künstlers sinnvoll ist.  Die jährlichen Rankings geben die Anzahl der verkauften Werke eines Künstlers wieder. Das kann sich jedoch jedes Jahr ändern, je nachdem wie viel  Werke von einem Künstler pro Jahr verkauft werden.  Das Ranking des betreffenden Künstlers in einem Zeitraum von 5 oder 10 Jahren würde wieder vollkommen anders aussehen. Um eine repräsentative Aussage zu bekommen, ist es immer noch am besten, das betreffende Werk oder die betreffende Werkgruppe in seiner Preisentwicklung in einem Zeitraum von 5-10 Jahren anzusehen.

Aber welcher Künstler auf den Markt kommt, oder welcher sich hält, hängt mitunter von ganz anderen Faktoren ab: Die „richtigen“  Sammler,  Galeristen  und Museen müssen die Werke eines Künstlers kaufen und das über einen längeren Zeitraum, damit seine Werke an Marktwert gewinnen, wie das aktuell zum Beispiel bei Gerhard Richter der Fall ist.

 Der traditionnelle Sammler und seine Strategie

„Diese Art von Statistiken interessieren mich ziemlich wenig“, meint der erfahrene Sammler von Alt Meister Zeichnungen und Juror der Tefaf , George Abrams.  Wenn er ein Blatt sieht, verliebt er sich und will es haben.  Der Jurist weiss wovon er spricht: Er sammelt bereits seit 50 Jahren. Seine Kennerschaft hat er sich mit vielen Reisen und Büchern erarbeitet. Er hat die Zeiten erlebt, wo bei einer Auktion 12 Händler und nur einige wenige Sammler um einen Tisch sassen, ein Jüngling ging herum und präsentierte die Blätter  zur Ansicht. Mit dem Verkauf der hochkarätigen Sammmlung von Altmeister Zeichnungen aus Chatsworth 1984 durch Christie’s  hat sich allerdings viel geändert. Die Altmeister Zeichnungen wurden populärer und damit wurde so manches Blatt unerschwinglich.  Er musste manchmal auf weniger gefragte Zeichnungen aus dem 19. Jahrhundert  ausweichen. Aber man kann nach wie vor gute Blätter entdecken, denn wie kein anderes Feld setzt diese Gebiet grosse Kennerschaft  voraus.

Wie man als Künstler auf dem internationalen Markt erfolgreich wird

„Ich wusste, dass meine Arbeiten bedeutend sind, aber damit war ich auch die Einzige, die das erkannte“, leitete die Portugiesische Künstlerin Joana Vasconcelos  ihren Vortrag ein. Vom Beginn ihrer Künstlerkarriere bis zur Ausstellung ihrer  „Mary Poppins“ im Eingang der TEFAF war es ein langer Weg.  Anfangs konnte sie mit ihren Ausstellungsorten nicht allzu wählerisch sein.  Ihre 2001 entstandene “A Noiva” (Die Braut), ein aus  14 000 Tampons geschaffener, überdimensionaler Luster, stellte die Künstlerin zuerst in einer Diskothek in Lissabon aus.  Es war wohl der richtige Platz, denn dort lernte sie die Madrider Kuratorin Rosa Martinez kennen.  Der  Durchbruch gelang ihr, als Rosa Martinez 2005 die Kuratorin der Biennale von Venedig wurde und Joana Vasconcelos eine Ausstellungsmöglichkeit im Arsenal anbieten konnte.  Eine vergrösserte Version der „Braut“  (25 000 Tampons) war das perfekte Ausstellungsobjekt. Die Resonanz von Publikum und Journalisten war gross und am Anfang sehr ungewohnt. Seitdem ist sie international gefragt.

Um als Künstler erfolgreich zu sein, braucht man abgesehen vom Glauben an sich selbst vor allem gute Kontakte und wichtige internationale Ausstellungsplätze wie zum Beispiel die Biennale in Venedig, die Tefaf in Maastricht oder das Schloss Versailles.

Joana Vasconcelos, Mary Poppins, 6x6x7m. Foto: Tefaf

Joana Vasconcelos, Mary Poppins, 6x6x7m.      Foto: Tefaf

Fazit:

Wenn man nach dem Symposium über die Messe geht, kann man einige Trends des letzten Jahres  erkennen:  Die Top 3, Andy Warhol, Pablo Picasso und besonders Gerhard Richter waren sehr gut vertreten. Die Werke der klassischen Moderne und der Impressionisten durften natürlich nicht fehlen. Sind sie der Masstab des Marktes?

Die vier Vortragenden haben es gezeigt: Ob mit Statistik oder ohne: Die Herangehensweise zur Kunst ist höchst unterschiedlich und Prozentzahlen nicht alles. Die Vielseitigkeit der präsentierten Sparten, Materialien und Epochen der rund 30 000 ausgestellten Objekte zeigt, dass es nicht einen Markt sondern mehrere gibt und das hohe Qualität immer ihre Liebhaber finden wird.

Die Tefaf schloss am 24. März wieder ihre Pforten. Sollten Sie nächstes Jahr im März dieses käufliche Museum auf Zeit besuchen wollen, ist vor dem passenden Budget für einen eventuellen Ankauf eines noch wichtiger: Bringen Sie unbedingt bequeme Schuhe mit.

www.Tefaf.com

 

 

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