Die Falle für Schnäppchenjäger

Quiringh van Brekelenkam, Die Mausefalle, Rijksmsueum, Amsterdam

Quiringh van Brekelenkam, Die Mausefalle, Öl auf Leinwand, signiert und datiert 1660, 18,5×16,5 Rijksmsueum, Amsterdam

 „Trapping“ 1) heisst  ein  Phänomen, das  Jasper Copping im Telegraph so beschreibt:  „Art experts are warning of the rapid spread of a new con-trick infecting the market, which involves cheaply produced works in the style of great artists being sold by dealers who dishonestly suggest they are genuine.“

 Zugesagt wird nichts, nur vage in Aussicht gestellt:

  •  ·         Der Händler glaubt, dass es vom Künstler XY sein könnte, kann es aber nicht beweisen.
  •  ·         Das Werk bekommt eine fadenscheinige Geschichte, die eine Provenienz darstellen soll.

Im Gegensatz zur klassischen Fälschung, die darauf abzielt, zu einem möglichst hohen Preis verkauft zu werden, sind diese Objekte oft sehr günstig zu haben.  Zielgruppe sind die unerfahrenen Kunstkäufer, die hoffen,  ein Schnäppchen zu ergattern.  Die Werke werden mit künstlichen Alterspuren versehen. (Rostige Nägel, vergilbte Etiketten…etc.). Neben den grossen Namen werden gerne auch Zeichnungen, oder weniger bekannte Künstler verwendet, die man nicht so sehr hinterfragt. 

Die Sache mit der guten Fee, die Ihnen drei Wünsche erfüllt

Dass sich der “vielleicht echte Impressionist” (oder Alte Meister etc…) den Ihnen ein Händler bereitwillig für ein paar hundert Euro überlässt, weil er sich nicht sicher ist, als grosser Gewinn entpuppt, ist ungefähr genauso wahrscheinlich wie die Begegnung mit der guten Fee, die Ihnen drei Wünsche erfüllt. Wenn der Verkäufer weiss, was er hat, wird er das Objekt mit den passenden Mitteln (Gutachten, Literatur, eigenes Fachwissen) überprüft haben und zum aktuellen Marktwert verkaufen, das gebietet ihm allein das eigene wirtschaftliche Interesse. Wenn er nur glaubt, aber nicht weiss, ist das Etikett meist hübscher als der Inhalt.

Natürlich gibt es immer wieder Überraschungen: Wie die Kette von Alexander Calder, die letztes Jahr für ein paar Dollar auf einem Flohmarkt erworben und für einen sechsstelligen Betrag versteigert wurde.  Aber das ist eher so etwas wie ein Lottogewinn. Und es gibt die “Sleepers”: Kunstwerke, deren wahre Autorenschaft oder Wert nicht erkannt wurden und die man daher weitaus günstiger als der übliche Marktwert erwerben kann. Wer Letztere findet, hat allerdings seine Hausaufgaben gemacht:  Ohne Sachkenntnis, ein gutes Auge und ein bisschen Glück ist die Chance auf eine herausragende Entdeckung  eher sehr selten. Vor allem: “Sleepers” wie der Name schon sagt, sind ganz ruhig. Sie tun sich nicht durch vage Provenienzangaben oder grosse – mögliche – Namen hervor. Das haben sie mit dem zitierten Flohmarktfund gemeinsam.

Lieber auf Nummer sicher gehen

Vermutungen sind keine Zusicherungen oder Echtheitsbestätigungen. Für eine gekaufte Vermutung gibt es keine Garantie und man kann sie auch nicht zurückgeben.2) Das Mindeste, was Sie für sich tun können, ist den Kauf gut zu prüfen und/oder eine zweite Meinung einzuholen.

Und vor allem sich eine kleine Checkliste zurechtlegen:

  •  Der Kontext ist für das Angebot entscheidend: Wenn man „irgendwo“ Kunst kauft, bekommt man auch „irgendetwas“. In einer Ansammlung von „Kraut und Rüben“  (z.B. Flohmarktware), wird sich der vermeintliche „Rohdiamant“ wohl eher als „Rübe“ entpuppen. (Vor allem wenn ein “Rohdiamant” angedeutet wurde)
  • Weiss der Händler wovon er spricht? Oder macht er zumindest diesen Eindruck?
  • Passt das angebotene Objekt zu seinem Sortiment?
  • Wie präzise sind seine Aussagen? Legt er sich fest?

Ansonsten haben Sie drei Möglichkeiten: 1. Auch wenn das Angebot noch so verlockend erscheint: Im Zweifel lieber vom Kauf Abstand nehmen. 2. Einen seriösen Händler aufsuchen, der weiss wovon er spricht und bei dem die Beschreibung des Objekts mit diesem übereinstimmt. 3. Wenn Sie pokern wollen, müssen Sie die Konsequenzen dafür tragen. Ein verhältnismässig kleiner (fehlinvestierter) Betrag mag verschmerzbar sein und die Enttäuschung ist gratis.

 

  1)   Begriff von Philipp Mould

  2) Die Frage der Garantie und Gewährleistung kann hier nicht erschöpfend behandelt werden. Vor einem Kunstkauf sollte man dennoch, wenn man das Haus nicht kennt, nachfragen: Garantieren Sie für die Objekte, die sie verkaufen?  Wie lange und in welchem Umfang? Bei Auktionshäusern ist es sehr ratsam die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu lesen, da diese häufig voneinander abweichen.

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